Sommerlager in Jevisovice 06

(von Kerstin Baldschun)

Wer einen aktiven Hundeurlaub verbringen will, Land und Leute kennen lernen will, dem empfehle ich die Teilnahme an einem der Sommercamps. Jedes der Camps ist anders.

Und weil ich immer gerne was Neues lerne habe ich mich entschlossen, neben unserem „Stammcamp“ in Lazne Belohrad, dieses Jahr zusätzlich noch ein weiteres Lager zu besuchen.

So bin ich neugierig und offen nach Jevisovice aufgebrochen. Nach 12-stündiger Fahrt kam ich ziemlich gerädert samstags morgens dort an. Dana Matusincovi (Zucht Dakmat), die Besitzerin des Platzes und Organisatorin hat uns erst mal zum Spaziergang an die Talsperre geschickt, und wir haben beide gehofft, dass bald jemand kommt, der uns bei der Kommunikation hilft. Meine tschechischen Sprachkenntnisse sind leider bescheiden.

Auf dem schönen Gelände durfte ich mir einen Zeltplatz aussuchen und habe für unsere drei Hunde einen eigenen Zwinger zugeteilt bekommen. Der war groß genug, sauber und kühl, weil Bäume Schatten spendeten. Calu war ganz und gar nicht davon begeistert „weggeschlossen“ zu werden und hat eine Heulorgie veranstaltet.

Ich konnte „in Ruhe“ mein Zelt aufbauen und hatte einen tollen Blick aufs Schloss und auf den Übungsplatz- sehr praktisch. Allerdings habe ich nicht berücksichtig, dass die Stelle leicht abschüssig war und so sind wir jede Nacht alle in die untere Zeltecke gerutscht- aber wir hatten die schönste Aussicht.

Sonntags ging dann das Training los, und montags habe ich dann meine richtigen Übungsgruppen gefunden. Die einzelnen Gruppen arbeiteten konkret auf Prüfungen hin und auch ein Ausstellungstraining wurde gemacht. Die erste Woche war schon ein bisschen schwierig für uns. Die Sprachschwierigkeiten haben mir zu schaffen gemacht, und ich wollte auch nicht wegen jeder Kleinigkeit die Leute bemühen. An dieser Stelle noch mal ein Herzliches Danke für die Unterstützung und Geduld an die Familien Michalik und Havlik.

Gearbeitet wurde in den Bereichen Unterordnung, Fährte und Schutzdienst. Viele arbeiten auf die tschechischen Prüfungen ZOP und ZPU-1 hin. Die ZOP hatte ich letztes Jahr bereits mit Calu absolviert und so wusste ich, was erwartet wird. Ich war sicher, Vidux kann die Unterordnungselemente absolvieren. Also habe ich Vidux zur Prüfung angemeldet.

Was mir mehr Kopfzerbrechen bereitete, war die Meldung zur Prüfung, die auf Tschechisch statt finden muss, und das richtige Erkennen der Befehle auf Tschechisch. Schließlich konnte ich nicht erwarten, dass der Richter Deutsch mit mir spricht.

Da auch eine Gruppenunterordnung stattfindet, die wie eine schöne Choreografie aussehen kann, musste ich wieder Vokabeln pauken. Levo, Bravo, Links, Rechts, kehrt, uvm. standen auf meinem Programm. Vidux war eindeutig im Vorteil, weil er bereits mit tschechischen Befehlen aufgewachsen ist, und viele davon noch immer kennt

Da ich nicht nur mit Vidux arbeiten konnte und wollte habe ich für Calu eine Aufgabe gesucht. So sind wir morgens oft fährten gegangen, aber Calu war nicht wirklich motiviert dabei. Die Unterordnung hingegen absolvierte sie ziemlich gut. Ich war mit ihr in der Gruppe für die ZPU-1 Prüfung und sie kam ganz gut zurecht, obwohl es einige neue Aufgaben gab.

Wir haben anderthalb Wochen auf dem Hundeplatz geübt und dann kam der Prüfungstag. Beide Prüfungen fanden hintereinander statt.

Am Prüfungsmorgen hat mich fast der Schlag getroffen. Vidux Vorderpfote hatte den doppelten Umfang. Er hat die Pfote nicht belastet und ist auf drei Beinen auf seine Gassirunde gehumpelt.

Bevor die Prüfung beginnt müssen sich alle Teilnehmer aufstellen.

Ich bin mit Calu zum Appell und danach mit Vidux zur Richterin. Ich wollte mich abmelden, aber sie hat gesagt wir sollen anfangen. Also haben wir angefangen. Und Vidux hat sich konzentriert und war richtig gehorsam. Nur als der Befehl Laufschritt Marsch kam, haben wir nach 2 Metern gestreikt. Beide. Lange Rede kurzer Sinn- dafür gab es Punktabzug. Alle anderen Übungen hat er ganz gut geschafft und juchu- seine ZOP bestanden. Ich bin noch immer stolz auf den Kämpfer.

Dann war Calu an der Reihe. Die gesamte ZPU-1 Prüfung fand in Freifolge statt.

Alle Übungen werden ohne Leine absolviert. Von den Einzelübungen bis hin zur Gruppenunterordnung. Ich muss gestehen, Calu hat mich angenehm überrascht. Viele der neuen Aufgaben hat sie gut gemeistert. Zugegeben, sie hat mir das Apportel vor die Füße geschmissen, statt ordentlich in die Hand, aber dafür hat sie ihre Bewachungsaufgabe mit Bravour gelöst. Sie hat verschieden Aufgaben sehr sauber ausgeführt. Es war einfach toll, zu sehen dass sie sich schnell anpassen kann und auch Neues lernt. Es war gar nicht geplant, Calu einer Prüfung zu unterziehen, umso mehr habe ich mich gefreut, dass auch sie die ZPU-1 bestanden hat.

Nach einem Tag Pause wartete das nächste Abenteuer auf uns. Ein 2-tägiger Wettkampf mit ganz unterschiedlichen Aufgaben. Alleine die Übersetzungen der einzelnen Übungen dauerten ewig. Viele der Aufgaben wären so richtig nach Vidux Geschmack gewesen. Aber die Pfote war immer noch geschwollen und er schonte sie auch noch. Einige Aufgaben waren wirklich spannend und mich interessierte brennend, wie mein Hund in manchen Situationen reagiert. Es gab Übungen aus den unterschiedlichsten Bereichen: ein richtiger Vielseitigkeitstest. So startete ich als erster Ausländer, ohne Fahrrad und mit dem „falschen“ Hund. Vidux hätte deutlich mehr Spaß an den Wach- und Schutzaufgaben, und auch an der Fremdfährte gehabt.

Nach langem hin und her startete ich mit Calu. Der Wettkampf war anstrengend, lehrreich, interessant und hat Spaß gemacht. Der Ehrgeiz hat uns dann noch gepackt, nachdem die erste Übung uns viele Punkte gekostet hat und der Sieg quasi aussichtslos war, haben wir uns den achten Platz hart erkämpft.

Der Wettkampf war ein Highlight dieses Sommerlagers! Als krönender Abschluss folgte am Samstag die Clubzuchtschau mit 50 Hunden und internationalen Ausstellern.

Mit dem Ende der Zuchtschau ging es Richtung Lazne Belohrad zum nächsten Sommercamp.

Fortsetzung folgt ….

 

 

 

 

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